Zukunftsmusik für Zusammenhalt

Ines Braunsdorf und Irina Preuß im Gespräch mit Moderator Victor Labra Holzapfel im Studio von SIK e.V. in Dresden

Was hält uns zusammen? Ein Gespräch über Migration, Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt

Zusammenhalt entsteht nicht, weil alle Menschen gleich denken. Er entsteht dort, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören, Unterschiede auszuhalten und gemeinsame Wege zu suchen.

In dieser Interkulturellen Radiobegegnung von SIK e.V. treffen Ines Braunsdorf und Irina Preuß aufeinander. Zwei Frauen mit unterschiedlichen Biografien. Zwei persönliche Perspektiven auf Migration, Integration und das gesellschaftliche Zusammenleben in Deutschland.

Ines ist in Thüringen geboren und in Brandenburg aufgewachsen. Sie hat die DDR, die gesellschaftlichen Veränderungen nach der Wende und viele Jahre beruflicher Tätigkeit als Architektin erlebt.

Irina wurde in Russland geboren und kam 2012 nach Deutschland. Sie musste die deutsche Sprache neu für sich erschließen, berufliche Wege finden und ihre eigene Position zwischen verschiedenen kulturellen Erfahrungen entwickeln.

Im Gespräch sprechen beide nicht stellvertretend für gesellschaftliche Gruppen. Sie erzählen aus ihrer persönlichen Erfahrung. Gerade dadurch entsteht ein offener Dialog über Fragen, die viele Menschen beschäftigen:

Was hält eine Gesellschaft zusammen? Wie verändert Migration die eigene Identität? Wo entstehen Begegnungen? Und was geschieht, wenn Menschen nicht mehr miteinander sprechen?

Die vollständige Radiobegegnung anhören

Ines Braunsdorf und Irina Preuß sprechen offen über persönliche Erfahrungen, kulturelle Unterschiede und gesellschaftliche Spannungen. Die vollständige Sendung verbindet das Gespräch mit Musik, biografischen Erinnerungen und unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Zusammenleben in Sachsen.


Zwei Biografien, zwei Perspektiven

Die beiden Gesprächspartnerinnen bringen unterschiedliche Lebenserfahrungen mit.

Ines blickt auf ihre Kindheit und Jugend in der DDR, den gesellschaftlichen Umbruch nach 1989 und ihre Erfahrungen im beruflichen und privaten Alltag zurück. Begegnungen mit Menschen aus anderen Ländern erlebt sie als Bereicherung. Gleichzeitig spricht sie auch über Unsicherheiten, fehlende Berührungspunkte und gesellschaftliche Herausforderungen.

Irina beschreibt ihren Weg nach Deutschland. Sie erzählt vom Spracherwerb, von ihrer beruflichen Neuorientierung und von ihrer Arbeit in sozialen Projekten. Dabei wird deutlich: Migration verändert nicht nur den Wohnort. Sie kann auch das Verhältnis zur eigenen Herkunft, zur neuen Umgebung und zur eigenen Identität verändern.

Die Radiobegegnung zeigt, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt nicht abstrakt entsteht. Er entwickelt sich zwischen Menschen, die bereit sind, ihre Erfahrungen zu teilen und einander Fragen zu stellen.


Zusammenhalt braucht Freiwilligkeit

Zu Beginn des Gesprächs formuliert Irina einen Gedanken, der sich durch die gesamte Sendung zieht:

„Zusammenhalt muss freiwillig sein.“

Für sie bedeutet Zusammenhalt nicht, die eigene Persönlichkeit aufzugeben oder sich bedingungslos einer Gruppe anzupassen. Menschen brauchen gemeinsame Ziele. Sie brauchen aber auch Raum für individuelle Entwicklung.

Diese Spannung ist für eine vielfältige Gesellschaft zentral:

Wie viel Gemeinsamkeit brauchen wir? Wie viel Unterschiedlichkeit können wir zulassen? Und wie gelingt es, Verantwortung für das Zusammenleben zu übernehmen, ohne Gleichförmigkeit zu verlangen?

Zusammenhalt entsteht nicht durch Zwang. Er braucht Beteiligung, Vertrauen und die Erfahrung, dass die eigene Stimme gehört wird.


Integration ist kein gerader Weg

Einer der persönlichsten Momente der Radiobegegnung entsteht, als Irina über ihre eigene Integration spricht.

Sie beschreibt mehrere Phasen.

Anpassung

Am Anfang versucht eine Person möglicherweise, vieles genauso zu machen wie die Menschen im neuen Land. Sie beobachtet, passt sich an und möchte möglichst wenig auffallen.

Verlustgefühl

Mit der Zeit kann der Eindruck entstehen, dabei einen Teil der eigenen Identität zu verlieren. Gewohnheiten, Sprache und persönliche Ausdrucksformen wirken plötzlich weniger selbstverständlich.

Rückkehr zu sich selbst

Darauf kann eine Phase folgen, in der das Eigene wieder stärker in den Mittelpunkt rückt. Herkunft, vertraute Beziehungen und kulturelle Erfahrungen erhalten eine neue Bedeutung.

Irina Preuß spricht bei einer Interkulturellen Radiobegegnung von SIK e.V. über Migration, Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Irina Preuß spricht im Studio von SIK e.V. über Migration, Integration, Identität und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Foto: SIK e.V. – Marcus Engel

Eine bewusste Balance

Erst später kann eine neue Balance entstehen. Die Person entscheidet bewusster, was sie übernehmen möchte, was sich verändert hat und was weiterhin zu ihr gehört.

Diese Beschreibung macht sichtbar, warum Integration nicht als einfacher oder geradliniger Prozess verstanden werden kann. Sie betrifft nicht nur Arbeit, Sprache oder Behörden. Sie berührt auch die eigene Identität.

Integration bedeutet nicht, alles Eigene zurückzulassen. Sie kann bedeuten, eine neue und persönliche Balance zu entwickeln.


Begegnung braucht konkrete Orte

Ines macht im Gespräch deutlich, dass Menschen Gelegenheiten brauchen, um sich kennenzulernen.

Solche Begegnungen können entstehen:

  • am Arbeitsplatz;
  • in Schulen;
  • in Vereinen;
  • beim Sport;
  • in der Nachbarschaft;
  • bei Veranstaltungen;
  • durch gemeinsame Interessen.

Neugier allein reicht nicht immer aus. Auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen müssen stimmen. Menschen brauchen Zugang zu Sprache, Bildung, Arbeit und sozialen Kontakten.

Irina berichtet in diesem Zusammenhang von einem Projekt, in dem Frauen mit unterschiedlichen Lebensgeschichten gemeinsam gekocht haben. In der Küche entstanden Gespräche, gegenseitige Unterstützung und eine vertraute Atmosphäre.

Das Beispiel zeigt:

Zusammenhalt beginnt manchmal nicht in einer großen Diskussion, sondern beim gemeinsamen Kochen.

Solche Begegnungen lösen nicht automatisch alle gesellschaftlichen Probleme. Aber sie schaffen einen Anfang. Menschen, die miteinander etwas tun, bleiben füreinander nicht länger abstrakt.

Genau an diesem Punkt setzt auch das Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ von SIK e.V. an. Es schafft Räume, in denen Menschen mit und ohne Migrationserfahrung miteinander sprechen, einander zuhören und neue Perspektiven kennenlernen.

Den Projektnamen intern mit der Projektseite verlinken.


Was trennt uns?

Die Radiobegegnung beschäftigt sich nicht nur mit dem Verbindenden.

Ines und Irina sprechen auch über Faktoren, die Begegnung erschweren:

  • Angst und Unsicherheit;
  • Vorurteile;
  • fehlende persönliche Kontakte;
  • Sprachbarrieren;
  • gesellschaftliche Überforderung;
  • geschlossene Gruppen;
  • polarisierte Diskussionen;
  • digitale Meinungsblasen.

Irina weist besonders auf das Schweigen hin. Wenn Menschen einander aus dem Weg gehen, weil die andere Person anders denkt oder aus einem anderen kulturellen Umfeld kommt, gehen wichtige Perspektiven verloren.

Auch soziale Medien können dazu beitragen, dass Menschen fast nur noch Meinungen sehen, die ihre eigenen Positionen bestätigen.

Das erschwert den Perspektivwechsel.

Wer andere Menschen verstehen möchte, muss bereit sein, ihre Sichtweise zumindest für einen Moment einzunehmen.

Die Gesprächspartnerinnen sind sich nicht in allen Punkten einig. Gerade das macht die Begegnung glaubwürdig. Sie versuchen, Unterschiede nicht sofort aufzulösen, sondern im Gespräch auszuhalten.

Ines Braunsdorf und Irina Preuß im Gespräch mit Moderator Victor Labra Holzapfel bei einer Interkulturellen Radiobegegnung von SIK e.V.
Ines Braunsdorf und Irina Preuß im Gespräch mit Moderator Victor Labra Holzapfel im Studio von SIK e.V. in Dresden. Foto: SIK e.V. – Marcus Engel

Schwierige Fragen brauchen offene Gespräche

Migration ist ein emotionales und politisch umkämpftes Thema.

In der öffentlichen Diskussion entstehen häufig zwei Extreme: Entweder werden vor allem Probleme betont oder kritische Fragen werden aus Angst vor Polarisierung vermieden.

Die Radiobegegnung zeigt einen anderen Weg.

Probleme, Unsicherheiten und unterschiedliche Wahrnehmungen dürfen angesprochen werden. Entscheidend ist, wie Menschen darüber sprechen.

Ein respektvoller Dialog braucht:

  • die Bereitschaft zuzuhören;
  • klare Fragen;
  • persönliche Erfahrungen statt pauschaler Urteile;
  • Raum für unterschiedliche Positionen;
  • die Fähigkeit, die eigene Sichtweise zu überprüfen.

Zuhören bedeutet dabei nicht automatisch Zustimmung. Es bedeutet zunächst, verstehen zu wollen, was die andere Person denkt und warum sie zu dieser Sichtweise gekommen ist.


Übersetzt heißt noch nicht zugänglich

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Sprache.

Irina beschreibt, wie schwierig der Kontakt mit Behörden und Institutionen für Menschen sein kann, die erst kurze Zeit in Deutschland leben.

Ein Informationsflyer kann in mehrere Sprachen übersetzt sein. Wenn der nächste Schritt jedoch eine telefonische Beratung ausschließlich auf Deutsch verlangt, besteht die eigentliche Barriere weiterhin.

Das Beispiel zeigt:

Übersetzung allein schafft noch keine Zugänglichkeit.

Es braucht verständliche Informationen, nachvollziehbare Abläufe und praktische Übergänge zwischen mehrsprachiger Orientierung und deutschsprachigen Regelangeboten.

Sprache bleibt ein wichtiger Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe. Gleichzeitig benötigen Menschen am Anfang ihres Weges Unterstützung, um diesen Schlüssel überhaupt nutzen zu können.


Eine Gesellschaft wie ein Orchester

Gegen Ende der Sendung entsteht eine starke Metapher für gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Irina vergleicht die Gesellschaft mit einem Orchester:

Die Instrumente sind unterschiedlich. Trotzdem müssen sie in eine gemeinsame Richtung schauen.

Ein Orchester lebt nicht davon, dass alle Instrumente gleich klingen.

Jedes Instrument hat eine eigene Stimme. Manche sind laut, andere leise. Manche tragen die Melodie, andere geben Rhythmus oder Tiefe. Erst im Zusammenspiel entsteht Musik.

Ines ergänzt, dass auch ein gemeinsamer Plan und eine erkennbare Richtung notwendig sind.

Diese Metapher bringt die zentrale Idee von Zukunftsmusik für Zusammenhalt auf den Punkt:

Eine vielfältige Gesellschaft braucht keine Gleichheit. Sie braucht Verständigung, Orientierung und die Bereitschaft, gemeinsam etwas zu gestalten.


Ein Kammerorchester mit Dirigent als Bild für Vielfalt, gemeinsames Zuhören und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Wie in einem Orchester entsteht Zusammenhalt im Zusammenspiel unterschiedlicher Stimmen. Symbolbild, KI-generiert.

Zusammenhalt beginnt mit Zuhören

Am Ende des Gesprächs formuliert Ines einen Wunsch: Menschen sollten einander mit mehr Wohlwollen und Vertrauen begegnen.

Jeder Mensch bringt eine eigene Biografie mit. Alter, Herkunft, Geschlecht, Erfahrungen und persönliche Überzeugungen prägen den Blick auf die Welt.

Diese Unterschiede verschwinden nicht durch ein einziges Gespräch.

Aber ein Gespräch kann etwas verändern.

Es kann aus einer unbekannten Person einen Menschen mit einer Geschichte machen. Es kann Fragen öffnen. Es kann Widerspruch ermöglichen. Und es kann zeigen, dass Zusammenhalt nicht dort beginnt, wo alle derselben Meinung sind.

Zusammenhalt beginnt dort, wo Menschen bereit sind, einander zuzuhören.


Jetzt die Radiobegegnung entdecken

Hören Sie das vollständige Gespräch mit Ines Braunsdorf und Irina Preuß.

Entdecken Sie weitere Stimmen, Perspektiven und Interkulturelle Radiobegegnungen in der Mediathek von SIK e.V.

Über die Sendung

Gesprächspartnerinnen: Ines Braunsdorf und Irina Preuß
Moderation, Redaktion und Postproduktion: Victor Labra Holzapfel
Produktion: SIK e.V.
Reihe: Interkulturelle Radiobegegnungen
Projekt: Zukunftsmusik für Zusammenhalt
Aufnahmeort: Studio von SIK e.V. in Dresden

Logo des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt und des Bundesministeriums des Innern

„Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ wird im Rahmen des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt (BGZ/BAMF) gefördert.

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SIK e.V. beim Interkulturellen Sommerfestival in Freiberg mit dem Projekt Zukunftsmusik für Zusammenhalt

SIK e.V. beim Interkulturellen Sommerfest in Freiberg

Begegnungen, Gespräche und neue Stimmen für „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“

Am 20. Juni 2026 war SIK e.V. beim Interkulturellen Sommerfest in Freiberg zu Gast. Die Veranstaltung fand von 14:00 bis 17:00 Uhr im Bunten Haus / Mehrgenerationenhaus Freiberg statt.

Für uns war dieser Besuch ein wichtiger Schritt im Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“. Im Jahr 2026 möchten wir mit unserem Radio- und Podcastprojekt stärker in Freiberg und im ländlichen Raum präsent sein. Unser Ziel ist es, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, neue Stimmen hörbar zu machen und interkulturelle Begegnungen vor Ort zu ermöglichen.

Das Interkulturelle Sommerfest bot dafür einen sehr passenden Rahmen. Es war ein lebendiger, offener und gut organisierter Nachmittag. Viele Menschen kamen zusammen. Kinder spielten im Garten. Es gab Essen, Musik, Gespräche, Infostände und viele kleine Momente der Begegnung. Für SIK e.V. war es eine schöne Gelegenheit, Menschen aus Freiberg kennenzulernen, unser Projekt vorzustellen und neue Kontakte zu knüpfen.

Freiberg als Ort der Begegnung

Wir kamen mit viel Interesse nach Freiberg. Gleichzeitig wussten wir nicht genau, was uns erwartet. Umso schöner war die Erfahrung vor Ort.

Besonders beeindruckend war für uns die Atmosphäre. Menschen mit und ohne Migrationserfahrung kamen zusammen. Es wurde gegessen, gelacht, gesungen, gespielt und diskutiert. Die Veranstaltung zeigte, dass Vielfalt nicht nur ein abstraktes Thema ist. Vielfalt wird konkret, wenn Menschen einander begegnen. Genau darum geht es auch in unserer Arbeit.

Interkulturelles Sommerfestival in Freiberg mit Besucherinnen und Besuchern im Garten
Das Interkulturelle Sommerfest in Freiberg bot Raum für Begegnung, Musik und Austausch.

Mit „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ möchten wir solche Begegnungen sichtbar und hörbar machen. Wir möchten zeigen, dass interkulturelles Zusammenleben nicht nur in großen Städten stattfindet. Auch in Freiberg, im ländlichen Raum und in vielen kleineren Städten gibt es Menschen, die sich für Offenheit, Dialog und Zusammenhalt einsetzen.

Erste Gespräche und neue Kontakte

Beim Sommerfest konnten wir mit vielen interessanten Menschen sprechen. Eine unserer ersten Anlaufstellen war Christian Mädler von der Agenda 21. Er engagiert sich unter anderem im Bereich Fair Trade, Eine Welt und Integration. Mit ihm konnten wir über die Idee unseres Projekts sprechen. Später entstand daraus auch eine kurze Interviewsituation.

Christian Mädler von der Agenda 21 und Ramatu Leder Kamanda beim Interkulturellen Sommerfestival in Freiberg
Christian Mädler von der Agenda 21 und Ramatu Leeder Kamanda, Moderatorin des Interkulturellen Sommerfestes, im Gespräch auf der Bühne. Die Szene steht für Austausch, Verständigung und die Zusammenarbeit lokaler Akteure in Freiberg.

Ein weiterer wichtiger Kontakt war die kommunale Integrationskoordinatorin der Stadt Freiberg, Margaret Triebler. Mit ihr waren wir bereits vor dem Fest in Kontakt. Beim Sommerfest konnten wir uns persönlich vorstellen und über mögliche Anknüpfungspunkte sprechen. Solche Kontakte sind für unser Projekt sehr wichtig, weil wir nicht einfach von außen nach Freiberg kommen möchten. Wir möchten mit den Menschen und Strukturen vor Ort zusammenarbeiten.

Auch mit Ahmed Alasi kamen wir ins Gespräch. Er lebt seit mehreren Jahren in Deutschland und engagierte sich aktiv beim Sommerfest. Seine persönliche Geschichte und seine Erfahrungen in Freiberg machen ihn zu einer spannenden Stimme für unser Projekt.

Ein weiterer Gesprächspartner war Joachim Krahl von der Pfingstgemeinde Freiberg, der ebenfalls im ökumenischen Arbeitskreis aktiv ist. Er unterstützte das Fest unter anderem mit Angeboten für Kinder. Auch solche Begegnungen zeigen, wie vielfältig das Engagement in Freiberg ist.

Darüber hinaus konnten wir mit einer Vertreterin des Internationalen Universitätszentrums der TU Bergakademie Freiberg sprechen. Das Gespräch war für uns besonders interessant, weil Freiberg durch die Universität auch viele internationale Studierende anzieht. Für unser Projekt ist die Frage wichtig, wie Menschen aus verschiedenen Ländern, mit unterschiedlichen Biografien und verschiedenen Spracherfahrungen hier ankommen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

Victor Labra Holzapfel von SIK e.V. im Gespräch mit Naima Bouzoubaa von der Agenda 21 beim Interkulturellen Sommerfest in Freiberg
Victor Labra Holzapfel von SIK e.V. im Gespräch mit Naima Bouzoubaa, Projektkoordinatorin bei der Agenda 21. Rechts im Bild: Claudia Leibiger aus Freiberg, Koordinatorin des Projekts Zukunftsmusik. Das Gespräch beim Interkulturellen Sommerfest in Freiberg steht für Austausch, Vernetzung und mögliche zukünftige Radio-Begegnungen. Foto: Bernd Torchala.

Auch Naima, die bei der Agenda 21 engagiert ist und selbst eine vielfältige Familiengeschichte mitbringt, gehörte zu den Menschen, mit denen wir ins Gespräch kamen. Sie zeigte großes Interesse an unserem Projekt und an der Idee, interkulturelle Erfahrungen über Radio und Podcast sichtbar zu machen.

Besonders gefreut haben wir uns auch über die Begegnung mit Ramatu Leeder Kamanda. Sie lebt seit vielen Jahren in Freiberg, engagiert sich vor Ort und war beim Sommerfest unter anderem als Moderatorin präsent. Sie begegnete uns offen, herzlich und mit großem Interesse. Auch sie kann mit ihren Erfahrungen und ihrer Perspektive einen wichtigen Beitrag zu unseren Radiobegegnungen leisten.

Warum wir in Freiberg sind

SIK e.V. steht für Stärkung interkultureller Kompetenzen. Wir sind überzeugt: Interkulturelles Zusammenleben gelingt nicht von allein. Es braucht Begegnung, Vertrauen, Sprache, Räume für Austausch und die Bereitschaft, voneinander zu lernen.

Dabei geht es nicht nur darum, dass Menschen mit Migrationserfahrung Deutsch lernen oder sich in bestehende Strukturen einfinden. Es geht auch darum, dass die Mehrheitsgesellschaft Möglichkeiten bekommt, eigene interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln.

Dafür braucht es konkrete Begegnungen. Menschen müssen einander sehen, hören und kennenlernen können. Erst dann entsteht ein anderes Verständnis füreinander. Erst dann wird aus einem abstrakten Thema eine persönliche Erfahrung.

Genau hier setzt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ an.

Wir möchten in Freiberg Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sich sonst vielleicht nicht begegnen würden: Menschen mit und ohne Migrationserfahrung, Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Menschen, die schon lange in Freiberg leben, Menschen, die neu angekommen sind, Menschen, die sich engagieren, Menschen, die Fragen haben, und Menschen, die etwas erzählen möchten.

Geplante Radiobegegnungen und Gesprächscafés

Für das Jahr 2026 planen wir in Freiberg mehrere interkulturelle Radiobegegnungen. Dabei möchten wir jeweils Menschen mit und ohne Migrationserfahrung zusammenbringen. Sie sprechen miteinander über ihre Erfahrungen, ihre Sicht auf Deutschland, ihre Vorstellung von Integration, ihre Wünsche für die Gesellschaft und ihre persönlichen Wege.

Wir planen in Freiberg zunächst ein interkulturelles Gesprächscafé. Dieses Format soll einen offenen und niedrigschwelligen Raum schaffen, in dem Menschen unkompliziert miteinander ins Gespräch kommen können. Im Mittelpunkt stehen Begegnung, Zuhören und gegenseitiges Verstehen. Es geht nicht um Vorträge oder fertige Antworten, sondern um persönliche Erfahrungen, Fragen und Perspektiven zum interkulturellen Zusammenleben in Freiberg.

Darauf aufbauend möchten wir interkulturelle Radiobegegnungen gestalten. Dabei kommen Menschen mit und ohne Migrationserfahrung zu zweit miteinander ins Gespräch. Diese Dialoge werden als Radio- und Podcastformat aufgenommen, redaktionell bearbeitet und später veröffentlicht. So können auch Menschen, die nicht direkt an den Begegnungen teilnehmen, zuhören, neue Perspektiven kennenlernen und einen Einblick in die Vielfalt der Freiberger Stadtgesellschaft gewinnen.

Die deutsche Sprache spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie ist in Deutschland ein zentrales Mittel der Verständigung. Gleichzeitig wissen wir, dass Sprache auch eine Hürde sein kann. Deshalb möchten wir Räume schaffen, in denen Menschen sich trauen zu sprechen, auch wenn nicht jedes Wort perfekt ist. Entscheidend ist die Begegnung.

Ein besonderer Moment: Musik als gemeinsame Sprache

Ein sehr eindrucksvoller Moment des Sommerfestes war das musikalische Programm.

Es gab verschiedene Auftritte, Musik aus unterschiedlichen Kulturen und Beiträge von Menschen mit sehr verschiedenen Hintergründen. Besonders bewegend war für uns ein Moment, in dem das Steigerlied gesungen wurde.

Musikalischer Beitrag mit dem Steigerlied beim Interkulturellen Sommerfest in Freiberg
Beim Interkulturellen Sommerfest in Freiberg wurde auch das Steigerlied gesungen – ein besonderer Moment der musikalischen Begegnung.

Das Steigerlied ist eng mit der Bergbautradition verbunden. In Freiberg hat diese Tradition eine besondere Bedeutung. Viele Menschen kennen das Lied. Es gehört zur Geschichte der Stadt und zur Identität der Region.

Beim Sommerfest wurde dieses Lied in einem interkulturellen Kontext gesungen. Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen standen auf der Bühne. Andere Menschen sangen mit. Für einen Moment wurde sichtbar, was interkulturelle Begegnung bedeuten kann: Tradition bleibt nicht abgeschlossen. Sie kann neue Stimmen aufnehmen. Sie kann Menschen verbinden.

Dieser Moment zeigte auf sehr schöne Weise, dass Zugehörigkeit nicht nur durch Herkunft entsteht. Zugehörigkeit kann auch wachsen, wenn Menschen gemeinsam etwas erleben, singen, lachen oder einander zuhören.

Ein anderes Bild vom Osten in Deutschland

Der Besuch in Freiberg war für uns auch deshalb wichtig, weil über Ostdeutschland oft sehr einseitig gesprochen wird. Häufig stehen Probleme, Konflikte oder politische Spannungen im Mittelpunkt.

Natürlich gibt es Herausforderungen. Auch in Freiberg und im ländlichen Raum gibt es Fragen, Unsicherheiten und Spannungen im Umgang mit Migration und Vielfalt. Diese Themen dürfen nicht ausgeblendet werden.

Aber das Sommerfest hat auch etwas anderes gezeigt: Es gibt viele Menschen, die sich engagieren. Es gibt Orte der Offenheit. Es gibt Vereine, Initiativen, Kirchen, Bildungseinrichtungen und Einzelpersonen, die Begegnung möglich machen. Es gibt Menschen mit und ohne Migrationserfahrung, die miteinander leben, arbeiten, feiern und Verantwortung übernehmen.

Diese Seite möchten wir mit unserem Projekt stärker sichtbar machen.

„Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ möchte keine künstlich schöne Welt zeigen. Aber wir möchten gute Beispiele hörbar machen. Wir möchten Menschen eine Stimme geben, die im Alltag oft wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommen. Wir möchten zeigen, dass Zusammenhalt dort wächst, wo Menschen miteinander sprechen und gemeinsam etwas gestalten.

Dank an die Organisatorinnen, Organisatoren und Engagierten vor Ort

Wir bedanken uns herzlich bei den Organisatorinnen und Organisatoren des Interkulturellen Sommerfest in Freiberg.

Danke an alle, die dieses Fest vorbereitet, begleitet und möglich gemacht haben. Danke an die Initiativen, Vereine, Engagierten, Künstlerinnen, Künstler, Helferinnen und Helfer. Danke auch an alle Menschen, die mit uns gesprochen, unsere Flyer mitgenommen, Fragen gestellt oder Interesse an unserem Projekt gezeigt haben.

Wir haben uns sehr willkommen gefühlt. Die Offenheit, die Freundlichkeit und die positive Resonanz haben uns sehr gefreut.

Für SIK e.V. war dieser Nachmittag ein gelungener Auftakt für die weitere Arbeit in Freiberg. Wir nehmen viele Eindrücke, neue Kontakte und konkrete Ideen mit.

Wie es weitergeht

In den kommenden Wochen werden wir die Gespräche und Kontakte aus Freiberg weiter vertiefen. Wir möchten Menschen finden, die bereit sind, an unseren Radiobegegnungen teilzunehmen. Dabei suchen wir unterschiedliche Stimmen: Menschen mit Migrationserfahrung, Menschen ohne eigene Migrationserfahrung, Menschen aus Vereinen, aus Bildung, aus Nachbarschaften, aus der Stadtgesellschaft und aus dem Alltag in Freiberg.

Ein nächster Schritt ist bereits geplant: Am Mittwoch, den 26. August 2026, findet von 18:00 bis 21:00 Uhr im Café Momo in Freiberg ein interkulturelles Gesprächscafé im Rahmen von „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ statt. Dort möchten wir die begonnenen Gespräche weiterführen, neue Begegnungen ermöglichen und Menschen aus Freiberg miteinander ins Gespräch bringen.

Das Café Momo bietet dafür einen passenden Rahmen: offen, zugänglich und mitten in der Stadt. Für SIK e.V. ist dieses Gesprächscafé ein weiterer Schritt, um in Freiberg präsent zu sein und gemeinsam mit Menschen vor Ort Räume für Dialog, Zuhören und gegenseitiges Verstehen zu schaffen.

Die Ergebnisse werden später in Form von Audio-Beiträgen, Podcasts und weiteren Veröffentlichungen zugänglich gemacht. Geplant ist auch, ausgewählte Beiträge über unsere Mediathek und Plattformen wie Mixcloud zu veröffentlichen.

Wir freuen uns darauf, Freiberg in diesem Jahr weiter kennenzulernen und gemeinsam mit Menschen vor Ort neue Räume für Dialog, Begegnung und interkulturelles Lernen zu schaffen.

Gefördert durch das Bundesprogramm Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Das Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ wird von SIK e.V. im Rahmen des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt durchgeführt.

Logo des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt und des Bundesministeriums des Innern

Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden. (BGZ).

Wir danken dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie dem Bundesprogramm Gesellschaftlicher Zusammenhalt für die Förderung und Unterstützung dieses Projekts.

Haben Sie Fragen zu diesem Beitrag oder möchten Sie mit SIK e.V. in Kontakt treten? Schreiben Sie uns gerne über unser Kontaktformular.

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Radio-Begegnung im Projekt Zukunftsmusik für Zusammenhalt von SIK e.V.

SIK e.V. auf der Webseite des BGZ/BAMF

Wir freuen uns sehr, eine schöne Nachricht zu teilen: Das Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ von SIK e.V. wurde auf der offiziellen Webseite des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt (BGZ) vorgestellt.

Anlässlich des Internationalen Tages der kulturellen Vielfalt veröffentlichte das BGZ den Beitrag „Vielfalt hörbar, sichtbar und erlebbar machen“.

In dem Beitrag werden Projekte vorgestellt, die zeigen, wie Vielfalt, Begegnung und Dialog das gesellschaftliche Miteinander vor Ort stärken können. Auch die Arbeit von SIK e.V. und unser Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ werden darin erwähnt.

Für uns ist diese Veröffentlichung eine wertvolle Anerkennung. Sie macht sichtbar, woran wir mit unserem Team, unseren Kooperationspartnern und vielen engagierten Menschen in Sachsen arbeiten.

Ausschnitt des BGZ/BAMF-Beitrags über das Projekt Zukunftsmusik für Zusammenhalt von SIK e.V.
Der BGZ/BAMF-Beitrag stellt das Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ von SIK e.V. vor.

Vielfalt hörbar, sichtbar und erlebbar machen

Der Beitrag des BGZ/BAMF stellt Projekte in den Mittelpunkt, die konkrete Räume für Begegnung schaffen. Bei SIK e.V. geht es dabei besonders um Radio, Podcast, Interviews und interkulturelle Dialogformate.

Mit „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ möchten wir Menschen mit und ohne Migrationserfahrung miteinander ins Gespräch bringen.

Unsere Formate schaffen Raum für Zuhören, Austausch und neue Perspektiven. Es geht nicht um einfache Antworten. Es geht um echte Begegnungen, gegenseitiges Verstehen und Vertrauen.

Durch Radio-Begegnungen, Podcasts, Gesprächscafés und Workshops machen wir unterschiedliche Erfahrungen und Lebensgeschichten in Sachsen hörbar. Wir möchten zeigen: Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht dort, wo Menschen sich begegnen, einander zuhören und bereit sind, voneinander zu lernen.

Radioaufnahme im Projekt Zukunftsmusik für Zusammenhalt von SIK e.V. in Sachsen
Radioaufnahme im Projekt „Zukunftsmusik für Zusammenhalt“ von SIK e.V.

Mehr über unsere Radio-Begegnungen, Interviews und Audioformate finden Sie in der Mediathek von SIK e.V.

Eine Freude und eine Verantwortung

Für SIK e.V. ist die Veröffentlichung auf der Webseite des BGZ/BAMF eine große Freude. Zugleich verstehen wir sie als Motivation und Verantwortung.

Sie bestärkt uns darin, unsere Arbeit für interkulturellen Dialog, gesellschaftliche Teilhabe und Zusammenhalt in Dresden, Freiberg, Meißen und Sachsen weiterzuentwickeln.

Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung sind Räume wichtig, in denen Menschen miteinander sprechen können. Nicht übereinander, sondern miteinander. Genau dafür stehen unsere Radio-Begegnungen und Gesprächsformate.

Wir freuen uns auch, in diesem Zusammenhang gemeinsam mit weiteren Projekten sichtbar zu werden, die sich auf unterschiedliche Weise für Vielfalt, Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren.

Dank an BGZ und BAMF

Wir danken dem Team des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt (BGZ) und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) herzlich für die Veröffentlichung, die Sichtbarkeit und die Begleitung der Projektarbeit.

Diese Zusammenarbeit stärkt unser Engagement als gemeinnütziger Verein in Dresden und Sachsen. Sie ermutigt uns, weiterhin Räume für Begegnung, Dialog und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schaffen.

Mehr Informationen zu unseren Radio-Begegnungen, Interviews und Audioformaten finden Sie in unserer Mediathek.

Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden. (BGZ).

Logo des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt und des Bundesministeriums des Innern
Gefördert im Rahmen des Bundesprogramms Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Vor Ort. Vernetzt. Verbunden. (BGZ).

SIK e.V. auf der Webseite des BGZ/BAMF Weiterlesen »

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